Sterben im Blätterwald

Es scheint schlecht zu stehen, um die Tageszeitungen: Die Leser wandern ins Internet ab, die Anzeigen auch, neue Einnahmequellen sind nicht in Sicht und wenn sich doch etwas am Horizont abzeichnet, dann ist nicht sicher, ob es sich nicht vielleicht doch um eine Fata Morgana handelt, hervorgerufen von exzessivem Wunschdenken. Umso ironischer, dass als erstes jetzt eine Online-Zeitung das Zeitliche segnet. Die Netzeitung - nie profitabel, aber immer(hin) Pionierin - hat es erwischt - sie wird zum neuen Jahr eingestellt. Schuld daran sind wohl die Journalisten, zumindest wenn man nach dem Interview mit Verleger Verleger Konstantin NevenDuMont im Deutschlandfunk geht, der zur Schließung sagt:Die Journalisten, die dort tätig waren, waren leider nicht in der Lage, sich über die Netzeitung zu refinanzieren.
Eigentlich sollte man denken für die Geschäftsmodelle seien die Verleger zuständig und die Journalisten würden sich um den Journalismus kümmern - aber das ist wohl eine Fehlannahme. Immerhin, wer das Interview mit NevenDuMont gehört hat, der macht sich um die Zukunft der guten alten Papierzeitung keine Illusionen mehr - sie hat nämlich keine. Seine Antworten auf die Krise kann man bestenfalls als Hutmode des letzten Jahrtausends bezeichnen: Bezahlmodelle im Internet entwickeln, denen sich möglichst alle Inhalteanbieter (schon das Wort!) anschließen sollen. Freemium-Inhalte anbieten, also einige Informationen umsonst, andere gegen Gebühr. Am schönsten demonstriert seine Ratlosigkeit aber die folgende Passage aus dem Interview.

Dobovisek: Nun ist es aber so: Sie sagen auf der einen Seite, die Netzeitung konnte sich selbst nicht tragen, ja sicherlich auch deshalb, weil die Kunden, die Leser nicht bereit waren, Geld für die Artikel auszugeben. Wie wollen Sie die Leser davon überzeugen, dass sie für andere Produkte im Internet Geld ausgeben?

Neven DuMont: Ich glaube, dass die höchstmögliche Qualität eines Journalisten dann zustande kommt, wenn der Endkunde für die Arbeit des Journalisten bezahlt. Rein werbefinanzierte Inhalte haben oft auch den Nachteil, dass sie sehr oberflächlich sind und dass auch die Recherchetiefe fehlt.

Hier hat offensichtlich jemand auch keine Antworten. Ob er dann aber der richtige Kapitän ist, um im schlimmsten Sturm der Geschichte auf der Brücke des Supertankers zu stehen? Eisberg voraus, Herr NevenDuMont!

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